Brieftaubenuhren


Zu Beginn der Wettflüge mit Brieftauben wurde zum Nachweis der Teilnahme an einem Wettflug ein Flügel-Stempel benutzt. Dieser Aufdruck auf den Federn im Flügel gab der jeweiligen Taube eine unverwechselbare Kennzeichnung.



Nach der Rückkehr vom Wettflug nahm der Züchter die Taube und brachte sie in einem Transportsack oder -korb zum Vereinsheim. Oft hatten die Züchter einen oder mehrere sogenannte Laufjungen, je nach Entfernung zum Vereinslokal. Die jeweils unterschiedliche Entfernung zum Vereinslokal wurde mit Zeitgutschriften ausgeglichen.

 

Anhand des Flügelstempels konnte die Teilnahme am jeweiligen Flug festgestellt werden und die im Vereinsheim zuerst vorgezeigte Brieftaube gewann den Flug.

 

Emery Van den Bossche aus Oudenaarde/ Belgien baute etwa 1885 als Erster ein Zeiterfassungsgerät speziell für Brieftauben. In etwa der gleichen Zeit begannen auch die Firmen Remy, Lejeune oder auch Toulet mit dem Bau von Brieftaubenuhren. Die Anforderung war, die Ankunftszeit von Brieftauben nach einem Wettflug manipulationssicher festzuhalten.


Erste speziell für Brieftauben gebaute Uhr von Van den Bossche/ Belgien, ca. 1885
Erste speziell für Brieftauben gebaute Uhr von Van den Bossche/ Belgien, ca. 1885

Eine große Neuerung waren 1888 Gummiringe für Tauben, die auf Jean Rosoor aus Frankreich zurück gehen. Diese ersetzten den Flügelstempel als Nachweis der Teilnahme am jeweiligen Wettflug. Nun musste lediglich der Gummiring im Vereinsheim abgegeben werden, die Tauben konnten im Schlag bleiben.

 

Um 1900 waren jedoch noch nicht überall Brieftaubenuhren zugelassen.

In Deutschland wurde praktisch noch kaum eine Brieftaubenuhr genutzt, in Belgien hingegen hatte bereits jeder Club eine Uhr. In Holland und England begann der Einsatz ebenfalls.

 

Im Jahr 1888 hatte der Schwenninger Jakob Schlenker die Firma J. Schlenker-Grusen (Fabrikmarke Isgus) gegründet, 1897 begann Jakob Benzing mit der Fertigung von Brieftaubenuhren.

Der Verband deutscher Brieftauben-Liebhabervereine verlieh 1902 der Firma Isgus im Wettbewerb aller Hersteller den ersten Preis und eine silberne Staatsmedaille.

 

10 Jahre später waren Brieftaubenuhren dann überall zugelassen, der Einsatz hatte sich ausgebreitet. Nun kauften sich auch einzelne Züchter ihre eigene Uhr.

 

Konstatieruhren mit Batteriebetrieb folgten den komplett mechanischen Ausfertigungen. Ab 1993 kamen dann elektronische Zeiterfassungssysteme auf den Markt, die Brieftaubenuhren nach und nach ablösten.


Taubenuhren bis 1910


Bis ca. 1910 gab es bereits mehrere Hersteller, die Uhren zur Zeiterfassung auf Brieftauben-Wettflügen bauten und verkauften. Diese wurden Konstatier-Apparate oder Konstatieruhren genannt.

 

Der Begriff "konstatieren" bzw. "Konstatieruhr/-apparat" leitet sich vom lateinischen "constare" ab und bedeutet "still stehen, stehen bleiben, fest stehen". Beim Abschlagen der Uhr blieb diese also je nach Ausführung faktisch oder nur sinnbildlich "stehen".

 

Je nach Ausführung der Uhren wurde zum Beispiel bei Ankunft einer Taube durch den Abschlag durch das Schlagwerk im Innern der Uhr die Ankunftszeit auf einem Papierstreifen abgestempelt.

Andere Uhren erlaubten beispielsweise nur eine Konstatierung und blieben dann stehen, noch andere stanzten Löcher in Papierscheiben für Stunde, Minute und Sekunde und die Ankunftszeit konnte abgelesen werden.

 


Taubenuhren nach 1910



Vereinsuhren


Zu Beginn hatte nicht jeder Züchter eine eigene Konstatieruhr, es gab sogenannte Vereinsuhren.

 

Die Mitglieder eines Brieftaubenvereins nutzten also eine gemeinsame Uhr, auch aus Kostengründen.

 

Fr. W. Bertrams berichtet in seinem Artikel über die "Konstatierung nach einem Wettfluge" im 1889 erschienen Buch "Der Brieftaubensport - Taschenbuch für Brieftaubenzüchter und -Liebhaber" von J. Bungartz, dass der Erfinder Lejeune Delcour aus Ensival/ Belgien dem Verein Columbia Köln einen Brieftauben-Konstateur vorgestellt habe. Mittels dieses "Apparates sei es möglich 2 Tauben in einer Sekunde durch einfaches Niederschreiben der Nummer zu konstatieren".

 

Die Konstatieruhren waren bei ihrem Erscheinen recht teuer.

So waren sie 1889 schon in guter Qualität zum Preis von 50 Mark erhältlich. Delcour verlangte für seinen oben genannten Konstateur zu Beginn 120 Mark, wobei nicht jeder Verein eine Ausgabe in dieser Größenordnung machen konnte.

 

Zur Vergleich: ein Hafenarbeiter verdiente zu dieser Zeit durchschnittlich etwa 60 Mark, ein Chemiearbeiter 120 Mark im Monat.

 


Mutteruhren


Mutteruhr ist der Begriff für eine Hauptuhr des Vereins, nach deren Uhrzeit sämtliche Konstatieruhren der Züchter gestellt wurden. Damit sollte beim Stellen der Konstatieruhren eine gemeinsame Ausgangssituation geschaffen werden, um später ggf. auftretende Abweichungen vergleichbar zu machen.

 

Die Uhren wurden zumeist am Tag vor dem Einsetzen zum jeweiligen Flug gestellt und verplombt an die Züchter ausgegeben.

 

Nach dem Ende des Wettflugs wurden die Konstatieruhren anhand der Uhrzeit der Mutteruhr abgeschlagen.

 

Dadurch wurde die zwischenzeitlich eventuell eingetretene Differenz zwischen Normalzeit der Mutteruhr und der jeweiligen Konstatieruhr ermittelt. Diese sogenannte Uhrendifferenz wurde

als Abweichung in das Ergebnis des Wettflugs einberechnet.