Wettflüge mit Brieftauben


Von Beginn an wurden Brieftauben derart gezüchtet, dass sie mehr oder weniger sicher und möglichst auch aus weiteren Entfernungen zum Heimatschlag zurück kehren. Bereits zu dieser Zeit prägte den Brieftaubensports der Gedanke, die Geschwindigkeit der teilnehmenden Brieftauben zu vergleichen. Es wurden also auch in den Anfangsjahren des Brieftaubensports bereits Wettflüge veranstaltet und Ergebnislisten erstellt.

 

Hierzu gibt Dr. Karl Ruß bereits 1875 in seinem Artikel für das Deutsche Postarchiv- Beiheft zum Amtsblatt der deutschen Reichs-Postverwaltung einen umfassenden Bericht ab.

 

So wurden 1872 in Belgien bereits 980 Wettflüge mit 155.000 Tauben veranstaltet, die 29.340 Preise erringen konnten. Die Vereine oder Gesellschaften waren zu einem Bund zusammen geschlossen, auch das Transportsystem über Eisenbahnzüge war bereits ausgereift. 

 

Auf den Wettflügen mit weiteren Entfernungen standen nicht die einzelnen Züchter, sondern die Vereine in Konkurrenz.

 

Vom Staat und den Ortschaften wurden Prämien ausgesetzt und das Taubenwettfliegen entwickelte sich zum allgemeinen Volksfest. Die siegreichen Brieftauben wurden mit einem Festumzug durch die Stadt getragen und den Bürgern präsentiert, wie unten am Beispiel von Brüssel dargestellt.


Brieftauben-Festzug durch Brüssel
Brieftauben-Festzug durch Brüssel

In Deutschland gab es 1875 nur wenige Brieftaubenzuchtvereine, verbandliche Strukturen wurden erst knapp 10 Jahre später mit der Verbandsgründung am 13.01.1884 angelegt.

 

Durch Auflässe belgischer Brieftauben in Deutschland und auch durch persönliche Beziehungen rheinischer Liebhaber mit belgischen Züchtern wurde der Brieftaubensport in einzelnen Städten des Rheinlands heimisch.

 

Ende der 1840er Jahre brachten belgische Fabrikanten und Arbeiter Brieftauben mit nach Köln, Düsseldorf, Elberfeld und Barmen (Wuppertal).

 

Allerdings dachten die Lieberhaber in Deutschland in den Anfangsjahren nicht daran die Brieftaubenzucht durch die Gründung von Vereinen organisiert zu betreiben. In Köln gründete sich beispielsweise erst 1865 die Gesellschaft "Columbia", trotzdem noch einer der ersten deutschen Vereine.

 

Manche Vereine trainierten ihre Brieftauben gemeinschaftlich und bildeten so die ersten Reisevereinigungen.

Dies auch vor dem Hintergrund die Reisekosten zu verringern. So sollten die Einsatzkosten pro Taube und die Ausgaben für den den Tauben zum Auflaßort mitgesandten Reisebegleiter bezahlbar gemacht werden.

 

Der "Rheinische Verband" war eine zehn Vereine umfassende Reisevereinigung.

 

Dieser stand unter der Leitung der "Gesellschaft Brieftaube" aus Elberfeld (Wuppertal). Die Anfänge dieses Zusammenschlusses gehen bis ins Jahr 1869 zurück als die Vereine "Columbia Barmen", "Fauna Elberfeld" und "Columbia Köln" gemeinschaftliche Wettflüge veranstalteten. 

 

Auch die Kölner Vereine "Kölner Brieftaubenclub" und "Concordia" hatten sich früh zu einer Reisevereinigung zusammen geschlossen.

 

Die Reisepläne der einzelnen Vereine der damaligen Zeit zeigten große Unterschiede in der Reiserichtung.

 

Die Vereine aus Aachen, Düren, Krefeld und Köln richteten ihre Tauben über Belgien und Frankreich ab und führten Wettflüge von St. Quentin und Paris durch. Einzelne Aachener Züchter beteiligten sich zum Beispiel 1878 an einem Wettflug der Brüsseler Vereine mit Start in Rom, den am Ende sogar eine Taube aus Aachen gewinnen konnte.

 

Der "Rheinische Verband" startete seine Brieftauben aus dem Nordosten Deutschlands. Die weitesten Wettflüge wurden damals ab Wien, Budapest bzw. zeitweise auch Königsberg gestartet. Im Jahr 1889 wurde dann der Wettflug ab Arad (damals Ungarn, heute Rumänien) mit 1.200 km Luftlinie organisiert.

 

Auch außerhalb des Rheinlandes gab es bereits bedeutende Reisevereinigungen, wie den "Sächsisch-Thüringischen-Brieftaubenzüchter-Verband" sowie die "Reisevereinigung von Hamburg und Umgegend".

 

Eine Sammlung von Reiseplänen aus der Zeit vor 1900 finden Sie hier.


Reiseplan der Gesellschaft "Brieftaube" Schwelm für 1890, aus J. Hoerter "Der Brieftaubensport", 1890