Gründung des deutschen Brieftaubenverbandes


Verbandsgründung am 13. Januar 1884

 

Der Zeitpunkt zur Gründung eines nationalen Brieftaubenverbandes war gekommen

 

Dabei regte der Oberstleutnant Röttiger aus Göttingen im Jahr 1882 als Erster die Gründung eines nationalen Verbandes an. Er strebte aber die Angliederung an den Allgemeinen Deutschen Geflügelzuchtverband gegenüber einem eigenständigen nationalen Brieftaubenverband an. Diese Idee nahm der Berliner Verein „Pfeil“ auf und benannte in seinem Jahresbericht die Notwendigkeit zur Schaffung eines nationalen Verbandes.

 

Die Hoffnungen der deutschen Taubenzüchter ruhten auf Baron von Alten-Linsingen.

 

Der Aachener Adolf Zurhelle und auch Josef Lenzen aus Köln waren treibende Kräfte in dem Prozess um die Gründung eines nationalen Brieftaubenverbandes.

 

Josef Lenzen schlug vor die deutschen Brieftaubenvereine unter Führung des Vereins „Hannovera“ zu vereinen. Baron von Alten –Linsingen war Präsident des Vereins „Hannovera“ und hatte Beziehungen bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Sein Mitstreiter Josef Hörter war ein langjähriger Freund von Josef Lenzen, so dass diese Freundschaft auf die Bereiche des gemeinsamen Hobbys ausstrahlte und Lenzen zum Ehrenmitglied des Vereins „Hannovera“ ernannt wurde.

 

Die Vereine „Hannovera“ und „Phoenix“ aus Berlin drängten auf die Vereinigung der Brieftaubenvereine.

 

„Hannovera“ drängte auf Gründung eines Brieftaubenverbandes, was auch in einem entsprechenden Beitrag in der von Dr. Karl Ruß heraus gegebenen Fachzeitschrift „Die Brieftaube“ im Jahr 1882 deutlich wurde. Aber auch andere Vereine drängten in diese Richtung, wie der Berliner Verein „Phoenix“.

 

Die Berliner Vereine wollten Berlin als Reichshauptstadt den Sitz des Brieftaubenverbandes ansiedeln, zumal es dort fünf Brieftaubenvereine und nicht lediglich einen wie in Hannover gab.

 

Ungeachtet dieser Unstimmigkeiten standen beide Vereine weiterhin im engen Kontakt bezüglich der Struktur des zu gründenden Verbandes.

 

Ein Streit zwischen Berlin und Hannover entbrannte

 

Dem Hannoveraner Josef Hörter wurde unterstellt, sich die Berliner Pläne zur Verbandsgründung angeeignet und diese unter seinem Namen veröffentlich zu haben.

 

Aufklärbar war nicht mehr, von dem die Idee der Verbandsgründung ursprünglich stammte. Diese Unstimmigkeiten führten in den Anfangsjahren des deutschen Brieftaubenverbandes zu andauernden Auseinandersetzungen.

 

Der Club „Hannovera“  verfasste datiert auf den 15. September 1883 einen Aufruf an die "verehrlichen Brieftauben-Liebhaber-Vereine Deutschlands", um auf die Notwendigkeit zur Gründung eines Verbandes aufmerksam zu machen. Dabei wurden die Vorteile eines Zusammenschlusses hervor gehoben, insbesondere geringere Transportkosten und die erwartete Unterstützung durch den Staat bei der Bekämpfung von Greifvögeln.

Aufruf des Vereins “Hannovera”, abgedruckt auf Seite 235/ 236 in Jean Bungartz

„Der Brieftaubensport – Taschenbuch für Brieftaubenzüchter und -Liebhaber“ aus 1889

Am 8.12.1883 erschien dann in der  „Brieftaube“ des Verlegers Louis Meier aus Hannover die Veröffentlichung von Josef Hörters Vorschlägen zum zu gründenden Brieftaubenverband sowie die Einladung zur Gründungsversammlung im Januar 1884.



13. Januar 1884 – die Geburtsstunde des Deutschen Brieftaubenverbandes

 

Es war zur Gründungsversammlung nach Köln eingeladen worden. 77 Vereine hatten die Einladung angenommen.

 

Der Kölner Verein „Columbia“ hatte auf Bitten der einladenden Hannoveraner die Ausrichtung der Versammlung übernommen und als Versammlungsstätte den Isabellensaal in Köln-Gürzenich ausgewählt.

 

Als Beauftragter für das preußische Brieftaubenwesen erläuterte Josef Lentzen, dass das Kriegsministerium die Gründung eines nationalen Verbandes begrüße. Dem neuen Verband wurde die Vergabe von Staatsmedaillen in Aussicht gestellt. Außerdem solle der Verband von dort Unterstützung erhalten beim Schutz der Brieftauben gegen Greifvögel.

 

Über den Verlauf der Gründungsversammlung liegen keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr vor.

 

Die heute vorhandenen Kenntnisse fußen auf Aussagen von Teilnehmern der Versammlung am 13.01.1884. Danach sind 70 Vereine mit 162 Vertretern der Einladung gefolgt und die folgenden Diskussionen nach Versammlungseröffnung müssen sehr kontrovers geführt worden sein. Baron von Alten-Linsingen führte den Kongress besonnen und Dank mehrerer engagiert vorgetragener Wortbeiträgen wurde der Verband letztlich erfolgreich gegründet.

 

Dabei kam sehr deutlich der Konflikt der Berliner und Hannoveraner zum Vorschein. Die Berliner trugen sehr offen ihre Bedenken über die Übertragung der Geschäftsführung an den Verein Hannovera vor.

Dieser offen ausgetragene Konflikt war vermutlich Hauptursache dafür, dass dem neuen Verband am Gründungstag lediglich 19 Vereine beitraten. Aber auch die Favorisierung der westlichen Reiserichtung durch die Militärregierung sorgte dafür, dass Vereine mit Flügen auf der Ostrichtung sich vorerst zurückhaltend zeigten.

 

Der Satzungsentwurf Josef Hörters wurde zum Großteil wie vorgeschlagen angenommen. Demnach sollte die Führung des Verbandes für jeweils drei Jahre durch einen geschäftsführenden Verein erfolgen. Fünf weitere sog. Kommissionsvereine wurden dem geschäftsführenden Verein zugeordnet .

 

Die Führungsstruktur des Brieftaubenverbandes wurde festlegt

 

Geschäftsführender Verein wurde Hannovera Hannover, Kommissionsvereine Phönix Berlin, BZV Essen, Fauna Elberfeld, Brieftaube Dortmund und L`Union Aachen unter dem ersten Präsidenten Baron Carl von Alten-Linsingen und mit dem Geschäftsführer Josef Hörter.

 

In der nach dem Gründungskongress durchgeführten ersten Sitzung der Kommissionsvereine wurde die von Louis Meyer in Hannover herausgebrachte „Brieftaube“ als Verbandsorgan bestimmt.

 

Bis Februar 1884 gehörten dem Brieftaubenverband 40 Vereine an, wobei der Gründungsvereine Phönix Berlin zwischenzeitlich wieder aus dem Verband ausgetreten war. Dies war die Folge des mehrjährigen Zwists mit dem Hannoveraner Verein.

 

Zweite Kommissionssitzung im März 1884

 

Am 02.März 1884 tagten die Kommissionsvereine erneut, der ausgetretene Verein Phönix wurde durch den Berliner Vereine Berolina abgelöst. In dieser Sitzung wurde den Mitgliedern die Erprobung geschlossener Metallringe gestattet. Die Einführung von Verbandsringen erfolgte erst einige Zeit später.

 

In der Verbandszeitschrift sollte eine Rubrik für zugeflogene Tauben eingerichtet werden und die Versammlung beschloss für das Jahr 1884 keine Verbandsbeiträge zu erheben. Danach sollten die Beiträge gestaffelt erhoben werden mit 10 Mark für 20 Vereinsmitglieder und 5 Mark für jeweils weitere 20 Mitglieder.

 

Die erste Wanderversammlung des Verbandes wurde für den 26.10.1884 in Essen terminiert.

 

Die Verbandstage 1885 wurden an Elberfeld (heute Wuppertal) vergeben. Die angeschlossene Verbandsausstellung hat der Verein BZV Essen organisiert.

 

Bis Ende 1884 waren 68 Vereine dem Verband beigetreten, von denen die Vereine Phönix Berlin und Brieftaube Solingen aber auch in 1884 wieder ausgetreten waren.

 

Die Verbandsnummern wurden durch das Kriegsministerium in alphabetischer Reihenfolge vergeben, dabei ging man erst nach dem Namen der Stadt und dann nach dem Namen des Vereins vor. Die Aachener Vereine erhielten deswegen seinerzeit die kleinsten Nummern - nicht weil es die ältesten Vereine waren, sondern weil Aachen im Alphabet vorne gelistet ist.

 

Erstmals wurden Staatsmedaillen verliehen, 74 silberne und 82 bronzene für das Jahr 1884.

 

Die Anzahl der dem Verband angeschlossenen Vereine wuchs von 66 Vereinen in 1884 über 74 (1885) und 85 (188) auf 110 Vereine zum Ende des Jahres 1887.

Die Anzahl der Tauben von Verbandsmitgliedern erhöhte sich parallel dazu von 29.603 auf 44.000 Brieftauben. Zusätzlich waren im bayrischen Landes-Geflügelzucht-Vereins 48 Untervereine mit Brieftauben organisiert.